Bei der selektiven Korrosion werden bestimmte Gefügebestandteile, korngrenzennahe Bereiche oder Legierungsbestandteile bevorzugt aufgelöst.
Korrosionsrisse entstehen durch Selektive Korrosion, weil entweder die höhere Energie der Korngrenzen die Auflösung fördert oder durch inhomogenen Gefügeaufbau die Korngrenzenausscheidungen oder die Kornränder aufgelöst werden.
Korrosionsrisse verlaufen bevorzugt entlang derjenigen Gleitebenen, auf denen sich infolge plastischer Verformungen eine erhöhte Versetzungsdichte und damit ein höherer Energiezustand eingestellt haben.
Sonderformen der selektiven Korrosion sind Spongiose bei Grauguss, Entzinkung von kupferhaltigen Werkstoffen (Messing) und Entaluminierung von kupferhaltigen Aluminiumlegierungen.
(a) Bei der Spongiose werden die ferritischen oder perlitischen Gefügebestandteile anodisch aufgelöst, die als Kathode wirkenden Graphitlamellen bleiben als schwammähnliches Gebilde zurück. Dadurch behält das Bauteil meist seine äußere Form, verliert aber an Festigkeit.
(b) Bei der Entzinkung findet eine örtliche Korrosion des Messings statt. Das ursprünglich mit dem Zink in Lösung gegangene Kupfer scheidet sich auf dem Messing ab und bildet hier schwammige, aber zusammenhängende Massen. Die Entzinkung entsteht hauptsächlich bei Legierungen mit mehr als 85 % Kupfer, wenn die Legierung in Verbindung mit Wasser steht, das einen hohen O2- oder CO2-Anteil besitzt.
Die Entzinkung kann örtlich „pfropfenförmig“ oder durch breitflächigen Angriff erfolgen, den man als einheitliche oder schichtförmige Entzinkung bezeichnet. Sie macht sich in Form übereinander liegender Schichten zerstörten Metalls bemerkbar. Der örtliche Angriff führt zur schnellen Verminderung der Festigkeit und zur Zerstörung des Werkstoffes. Durch Verwendung einer Messingsorte mit einem geringeren Zinkgehalt oder Zulegierung von Zinn oder Arsen kann die Entzinkung verhindert werden. Unter Entzinkung versteht man ferner die Ablösung fehlerhafter Zinkschichten von verzinktem Stahl und die Verdampfung des Zinks aus Messing bei hoher Temperatur.
(c) Eine Entaluminierung wird an Zweiphasenlegierungen (Al > 8 %) und in verstärktem Maße an Mehrphasenlegierungen (Al > 10 %) festgestellt.
Der selektive Angriff geschieht durch Elementbildung zwischen den kupferreicheren und kupferärmeren Phasen.
Einphasige α-Legierungen, z. B.CuAl5 oder CuAl8, sind gegen Selektive Korrosion beständig.