Biegefestigkeit, Biegeversuch

Hiermit wird die Kraft bezeichnet, mittels derer ein Prüfstab durch Biegen zerbrochen oder durch Anriss zerstört wird. Oberflächenbedeckungen auf metallischen Unterlagen werden auf Biegung beansprucht, um die Güte der Haftung zwischen Grundwerkstoff und Deckschicht zu prüfen. Hier dient das Maß der Durchbiegung als Kennwert, also der Biegewinkel bis zum Bruch der Deckschicht.

Beispiele:

  1. Metallüberzüge. Sie sind beim Verarbeiten/Montieren häufig Formveränderungen ausgesetzt, denen sie folgen müssen, ohne dass die Haftfähigkeit leiden darf. Die Biegefestigkeit ist ein Ausdruck für die Haftfähigkeit. Der Biegeversuch gibt eine Aussage über die Biegefestigkeit. In ihm muss der Biegeradius in einem bestimmten Verhältnis zur Materialdicke stehen. Auch der Biegewinkel und die Anzahl der Biegungen sind Faktoren des Biegeversuchs.
    In der Luft- und Raumfahrt werden Biege- und Schlagbiegeversuche zur Prüfung der Haftfestigkeit stromlos abgeschiedener Nickelschichten auf Stahl und Al-Legierungen angewandt:
    a) beim Biegeversuch wird ein stromlos vernickeltes Al-Flachprofi l um 90° gebogen.
    b) bei der Schlagbiegeprobe wird ein Al-Flachprofi l an den Enden fixiert und mit einem Pendel definierten Gewichts im Mittelbereich angeschlagen, so dass eine vom Grundwerkstoff abhängige Verbiegung auftritt.
    In beiden Fällen wird die Duktilität der stromlos abgeschiedenen Nickelschicht überschritten, so dass Risse und Absplitterungen auftreten.
    Bei guter Haftung darf jedoch kein großflächiges Abblättern des Überzugs stattfinden. Beide Verfahren sind genormt und werden zur Fertigungsüberwachung eingesetzt.
  2. Email. Bei der Montage von Haushaltsgeräten, beim Anschrauben emaillierter Bekleidungsplatten oder beim Befestigen von Schildern wird das Email auf Biegung beansprucht und soll eine gewisse Belastung aushalten können. Zur Prüfung wird ein Streifen emaillierten Blechs unter zwei Rollen gelegt, zwischen denen eine dritte Rolle von unten her angreift und den Streifen nach oben hin durchdrückt. Parallel hierzu liegt die Prüfung auf → Torsionsfestigkeit. Die Biegefestigkeit wird entscheidend vom → Versatz her beeinflusst; Alkalien setzen sie herauf, Erdalkalien wirken geringer, Kieselsäure und Tonerde setzen sie herab.