Zustand niedriger Duktilität eines Werkstoffs, durch den schon bei verhältnismäßig geringer Aufnahme mechanischer Energie irreversible Zerstörung eintritt. Die Versprödung kann verschiedene Ursachen haben, unter anderem:
a) Versprödung durch atomar aufgenommenen Wasserstoff, z. B. beim Beizen, bei der elektrochemischen Oberflächenbehandlung, Korrosion,
b) Versprödung (von Eisen) durch heiße Alkalien (interkristalline Spannungsrisskorrosion),
c) Versprödung bei hohen Temperaturen durch Gefügeänderungen (Anlasssprödigkeit),
d) Versprödung bei tiefen Temperaturen,
e) Versprödung bei Polymeren durch (Reck- oder Stauch-) Alterung (UV-Strahlung, Sauerstoff, Wärme),
f) Versprödung durch mechanische Einwirkung.
g) Verunreinigungen in Metallschmelzen (Pb, Sn in Zinkschmelzen).
Zur Prüfung wird die Kerbschlagbiegeprobe benutzt. In der Luftfahrt und im Automobilbau ist besonders die Wasserstoffversprödung hochfester Stähle gem. a) zu berücksichtigen. Stähle ab einer Zugfestigkeit von 1550 N/mm2 dürfen gemäß Luftfahrtnormen nicht mehr Galvanisch behandelt (z. B. vercadmet, verchromt oder phosphatiert) werden. Durch unmittelbar nach der Galvanischen Behandlung durchgeführtes Entgasen sowie den Einsatz wasserstoffarmer (-freier) Vorbehandlungsverfahren (z. B. Strahlen, anodisches Ätzen), lässt sich in manchen Fällen diese Grenze auch überschreiten. Als Ersatz für die wässrige Galvanik bieten sich in vielen Fällen physikalische Beschichtungsverfahren (z. B. Bedampfen, Ionenplattieren), nichtwässrige Verfahren (z. B. galv. Aluminierung), aber auch das mechanische Plattieren an. Beim Galvanisieren hochfester Stähle ist es wichtig, Bäder mit hoher kathodischer Stromausbeute (z. B. nichtcyanidische Cadmiumbäder, Nickelsulfamatbäder) zu bevorzugen, die aufgrund ihrer guten Stromausbeute wenig Wasserstoff mit abscheiden. Beim Tampongalvanisieren werden z. B. Cadmiumelektrolyte eingesetzt, die nur eine sehr geringe Beladung des Stahlwerkstoffs mit Wasserstoff verursachen. In der Luftfahrt werden kleinflächige Ausbesserungsarbeiten an vercadmeten Bauteilen (Zugfestigkeit bis 2100 N/mm2) vorgenommen, ohne dass eine Entgasung notwendig ist.